Wie der Netzbetreiber eine PV-Anlage steuern darf – und welche Technik dafür im Haus installiert wird.
§ 9 EEG verlangt, dass Erzeugungsanlagen für den Netzbetreiber steuerbar sind: Bei drohender Netzüberlastung soll die Einspeisung gezielt reduziert werden können, statt großflächige Abschaltungen zu riskieren. Für PV-Betreiber heißt das, dass Erzeugung und Einspeisung ab einer bestimmten Größe messbar, übertragbar und reduzierbar sein müssen.
| Anlagengröße | iMSys / Steuerbox | Wirkleistungssteuerung | Einspeisemessung |
|---|---|---|---|
| < 7 kWp | nicht verpflichtend | nicht erforderlich | optional |
| 7 – 25 kWp | Pflicht | ferngesteuerte Reduzierung durch Netzbetreiber | Pflicht |
| 25 – 100 kWp | Pflicht + Direktvermarktung | stufenlose Steuerung | Pflicht (zertifiziert) |
| > 100 kWp | Pflicht + Netzbetreiber-Anbindung | Steuerung über Direktvermarkter | 15-Min-Werte, fernabrufbar |
Das iMSys besteht aus zwei Teilen: einem modernen digitalen Stromzähler und einem Smart Meter Gateway (SMGW). Das Gateway ist eine vom BSI zertifizierte Kommunikationsbox, die den Datenaustausch zwischen Hausanschluss und Netzbetreiber absichert – mit Verschlüsselung, Authentifizierung und garantierter Datenintegrität.
Der Einbau erfolgt durch den grundzuständigen Messstellenbetreiber – meist der lokale Netzbetreiber oder ein beauftragter Dienstleister. Als Anlagenbetreiber zahlen Sie nur die jährliche Messstellenpauschale, die gesetzlich gedeckelt ist.
Über das SMGW erreicht der Netzbetreiber eine Steuerbox in der Nähe des Wechselrichters. Sie kann die Wirkleistung der PV-Anlage in Stufen (z. B. 100 %, 60 %, 30 %, 0 %) oder stufenlos absenken. Die Kommunikation zwischen Steuerbox und Endgeräten läuft typischerweise über EEBUS oder über potenzialfreie Schaltkontakte.
EEBUS ist der in Deutschland etablierte, herstellerübergreifende Standard für die Kommunikation zwischen Steuerbox, Energiemanagement und Endgeräten. Er arbeitet lokal (kein Cloud-Zwang) und kennt einen eigenen Anwendungsfall für die PV-Steuerung: LPP – Limitation of Power Production (Begrenzung der Erzeugungsleistung).
Ist die Steuerbox aktiv, darf der Netzbetreiber im Engpassfall die Einspeisung ferngesteuert reduzieren – das Einspeisemanagement. In der Praxis betrifft das pro Jahr nur wenige Stunden, vor allem an besonders sonnigen Tagen in PV-dichten Regionen.
Wird die Einspeisung durch den Netzbetreiber reduziert, kann unter bestimmten Voraussetzungen ein Entschädigungsanspruch bestehen. Grundlage ist eine lückenlose Dokumentation der Steuereingriffe und der entgangenen Erzeugung – wofür sich Logging im HEMS oder am Wechselrichter anbietet.
Der Wechselrichter muss die Wirkleistungsreduzierung über eine genormte Schnittstelle empfangen können – in der Regel Modbus (TCP/RTU) oder EEBUS. Praktisch unterstützen alle gängigen Marken (Fronius, SMA, Kostal, SolarEdge, Huawei u. v. m.) das ab Werk. Das Energiemanagementsystem sitzt zwischen Steuerbox und Wechselrichter und verteilt die Vorgabe bei mehreren Wechselrichtern sinnvoll.
Das Soluxion HEMS PRO koppelt sich an die Steuerbox (per EEBUS), setzt die Wirkleistungsreduzierung am Wechselrichter um und optimiert gleichzeitig den Eigenverbrauch. § 9 EEG wird so plug-and-play – auf Basis der Open-Source-Software evcc mit über 550 unterstützten Geräten.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an Ihren Netz- bzw. Messstellenbetreiber.